Huayhuash - Nev. Seria Norte 5810m - Ostgrat

Am Morgen vom Mittwoch, dem 02. September, stehen wir zeitig auf, da wir noch alles packen und uns anschliessend in ein Tal rechts von unserem begeben. Doch zuerst heisst es wie immer: Kaffee und Frühstück. Ein Highlight für mich jeden Morgen, ich mag die peruanischen Müsli sehr! Um 10:00 Uhr stärkten wir uns noch mit Reis und Tomatensauce, bevor es los ging. Zuerst mussten wir 300hm absteigen um anschliessend wieder der Laguna Solteracocha nach Osten zu folgen und auf einer mittlerweilen ziemlich botanischen Moräne wieder hinauf zum Yerupaja West-Glacier aufzusteigen. Der Rucksack ist schwer, die Sonne brennt unerbärmlich und ich bin an diesem Tag irgendwie ganz schlecht drauf. Was mache ich hier? Wieso gehe ich nicht einfach in den Alpen Bergsteigen? Und noch viele weitere Fragen, vor allem auch zu mir selbst, stellte ich mir und ich viel in diesem Moment gleich in ein tiefes Loch. Auf 4700m war fertig, wir stellen das Zelt, kochten das Abendessen und verkriechen uns beim eindunkeln in die Schlafsäcke.

 

Der nächste Tag, es ist ein Donnerstag (eigentlich ja unbedeutend hier draussen), begann um 02:00 Uhr. Ich kochte Wasser für unser Trek'n Eat Müsli und Kaffee. Die Vollkornfrüchte-Müsli von Trek'n Eat mag ich sehr und ich freute mich immer darauf, sie zu essen! Allgemein war ich erstaunt, ich hatte in der Höhe immer guten Appetit, auch auf dem Gipfel des Rasac eine Woche später. Ich fühlte mich wieder besser und fitter als gestern, so sah ich dem Tag positiv entgegen. 

 

Um 03:15 Uhr liefen wir im dunkeln los. Es war heute sehr kalt, ich lief bis es hell war in der Daunenjacke. Doch der Tag startete dann doch nicht so rosig. Da wir gestern den Weiterweg nicht mehr erkunden konnten, gab es heute morgen ein kleineres Problem. Beim Zustieg zum Gletscher mussten wir einen riesigen Abbruch rechts über eine Moräne umgehen. Doch wir verpassten den Abzweiger und fanden uns plötzlich in einer steilen Felswand wieder. Nun ja, hier war "Aus die Maus". Wir suchten weiter, fanden nichts. Dann kamen wir auf die Idee, dass die Abzweigung wahrscheinlich deutlich weiter unten sein musste. So stiegen wir wieder ab und beschlossen, dass wir zurück zum Zelt gehen und es morgen nochmals versuchen. Denn wir hatten bereits über eine Stunde verloren, und eine Stunde ist in der Cordillera Huayhuash bereits viel, denn am Abend gab es meistens Niederschlag. Doch plötzlich stiessen wir tatsächlich auf die Abzweigung. Es war noch immer dunkel und wir beschlossen, es zu versuchen. So wechselten wir von Abstieg zu Aufstieg. Pünktlich zum Morgengrauen um 06:30 Uhr erreichten wir den Gletscherrand, wo wir unsere Sachen montierten und anschliessend in die Mitte des grossen Gletschers traversierten. Dieser war sehr angenehm zu begehen. In der Mitte war es flach und es hatte somit nicht all zu viele Spalten. Der Schnee war hart mit einer kleinen Pulverschicht von gestern Abend. Diese störte aber nicht. Doch der Gletscher zog sich, wir querten unter der riesigen und steilen Yerupaja Westwand durch. Der Yerupaja ist nach dem Huascaran in der Cordillera Blanca der zweithöchste Berg in Peru! Aber von vielen Büchern zitiert: "Der Yerupaja ist wohl einer der mächtigsten und wuchtigsten Berge in Peru". Nun ja, das kann ich bestätigen, er ist sehr eindrücklich und seine Westwand lädt zu einer Skiabfahrt ein. Ein Projekt für die Zukunft. Um ca. 08:30 Uhr erreichen wir den Sattel zwischen Rasac und Yerupaja. Zuvor mussten wir wieder eine Flanke mit "Mörderschnee" hinauf, juhu.

 

 Im Führer stand: "Es führt ein einfacher Firngrat hinauf zum Gipfel". Nun, dass es mit dem Firn schon eine Zeit her ist, sahen wir von weitem, aber auch der Fels hat nichts mehr mit einer Tour der Stufe "WS" zu tun. Aber egal, je schwieriger, desto besser. Der Grat ist brüchig und manchmal muss doch ordentlich zugegriffen werden. Dies aber immer mit der nötigen Vorsicht. Auf 5750m queren wir die ganze Felswand 100m nach rechts in den Sattel zwischen Rasac und Seria Norte. Es ist bereits 10:00 Uhr. Unseren ursprünglichen Plan, den Rasac zu besteigen, müssen wir wegen der fortgeschrittenen Zeit und unserer Müdigkeit aufgeben. Doch die 20min über den Firngrat hinauf zum Seria Norte Gipfel, der immerhin 5810m hoch ist, wollen wir uns nicht entgehen lassen. So quälten wir uns in der Mittagswärme noch bis zum Gipfel hinauf. Da er ziemlich überwächtet war stiegen wir die letzten Meter einzeln hoch. Man weiss ja nie...


Anschliessend gönnten wir uns eine ausgiebige Pause und genossen die unglaublich schöne Aussicht auf Yerupaja und Co. Ich gebe es zu, für mich war ein grosses Highlight, dass wir hier einfach absolut allein sind. Kein Bähnli (ich gebe es aber zu, in der Schweiz mag ich sie auch, aber deshalb sind wir ja hier), keine andere Bergsteiger, keine SAC Hütte, kein Heli... die Liste könnte man noch erweitern, aber ich denke man spürt was ich denke. Es war einfach wunderbar hier zu sein in dieser Landschaft. Der Abstieg über den Grat verlief problemlos, wenn auch etwas langsam und mit der nötigen Vorsicht. Auch der Gletscher war noch tiptop zu begehen. Um ca. 17:00 Uhr erreichten wir erschöpft das Zelt, kochten ein feines Znacht und genossen die super Abendstimmung. Heute gab es nicht einmal gross Wolken, wunderbar. So bald es eindunkelte, wurden auch unsere Lichter gelöscht.


Nun mussten wir unbedingt einige Ruhetage machen. Auf dieser Höhe verbrauchten wir deutlich mehr Energie. Auch die Erholungszeit war deutlich länger. Nach 3 Tagen waren wir einigermassen fit und bereit, wieder in Richtung Rasac aufzubrechen.


Life is good :-)

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