Huayhuash - Erstbegehung "Caballeros del Santo grietas" - 5c / 5 SL / Trad

Bereits eine Woche zuvor betrachteten wir mit dem Feldstecher diesen 4705m hohen Felsturm mit seiner 200m hohen Westwand. In meinem Tagebuch notierte ich folgendes: "Dann will ich zurück ins BC kommen und diese Felswand am Taleingang erstbegehen. Sie sieht unglaublich anziehend aus, von der Seite unheimlich steil und vor allem einfach reizend! Mein wahres Objekt der Begierde, ein Traum wie ich es mir vorstellte: klein aber fein, unbekannt, wild und von vielem unbekanntem umgeben. Ich kann es kaum abwarten, mir dieses Stück Fels einzuverleiben." So viel zum Thema Erotik in den Bergen ;-) Am Freitag, dem 11. September, war es dann endlich so weit, wir stiegen um 09:30 Uhr direkt vom Basecamp aus hinauf zum Einstieg der Felswand. Es hätte auch keinen Sinn gemacht, früher zu gehen, da es zu kalt wäre. Am Fuss der Felswand eingekommen geht ein ziemlich starker Wind. Klettern im T-Shirt war nichts, Pulli und Windjacke gehörte dazu.

 

Damian kletterte die erste Länge vor. Nach 25m bezog er Stand. Die Einstiegslängen entpuppten sich als ziemlich grasig, was wir von weitem leider nicht sahen. Nichts desto trotz, der Fels ist ziemlich scharf und von guter Qualität in den ersten beiden Längen. Die nächste Länge führte ich, sie war mit gerade 50m doch ziemlich lang dafür nur im oberen vierten Grad, also nicht zu schwierig. An einem grossen Felsblock konnte ich Stand beziehen und Damian nachsichern. Die nächste Länge war ein Quergang. Wir mussten links um den Turm herum, über uns war es zu schwierig. Damian machte in einem riesigen Couloir einen Stand an zwei Schlaghaken und ich kam nach. Die nächste Länge sah nun sehr spannend aus. 

 

Den folgenden Text habe ich aus meinem Tagebuch übernommen. Er beschreibt die folgende Schlüssellänge. Obschon im Grad 5c nicht wirklich schwierig, war ich mental doch ziemlich gefordert. Der Unfall vom vergangenen Februar rückte plötzlich wieder in den Vordergrund und mir wurde bewusst, dass ich hier nicht abstürzen darf. Also, Konzentrierung und volle Kraft voraus... :


"Zuerst gerade hinauf, dann nach links mit Spreizschritt querend in den Riss. Hier konnte ich den grossen blauen Friend legen. Ich sagte: "Hm, chönnt häbe". Und dies war eigentlich auch das Wort für alle folgenden Sicherungen. Vielleicht hielten sie, vielleicht auch nicht. Und hier im Riss kam auch eine erste technisch schwierige Stelle. Ich musste mit links in der Gegenwand stehen, mich an der Risskante halten, mit rechts auf feinen Strukturen in der Wand stehen und so ca. 2 Züge hinauf "piazen". dann war ich auf einem schwach ausgeprägten Gras - und Kiesbödeli, rutschig... 2m weiter oben kam ich in brösmeligem und brüchigen Fels rechts und links eigentlich gutem Fels. Es war eine Art V-Kamin mit einem grossen Moos-Riss in der Mitte. Mir war nicht so wohl, da alles heikel, dreckig und brüchig war. Ich wollte weiter klettern, brach ab, zurück, versuchte wieder. Dann wusste ich, dass ich eine Sicherung brauche. Ich nahm den Pickel hervor und wollte einen Schlaghaken setzen. Funktionierte jedoch nicht. Dann kam mir die zündende Idee. Mit dem Pickel befreite ich feine Risse von allem Dreck und Moos, und siehe da, ich konnte gleich zwei Friends setzen und anschliessend weiter klettern. Es folgten nochmals heikle Züge in Bruch mit Keil und einem Friend, bevor ich nach 20m ein ca. 4m steiles Band mit Kies erreichte. Doch ich konnte nirgends Stand machen, so entschied ich mich, bis hinauf auf den Turm zu klettern. Am Ende des Bandes tat sich wieder ein Riss auf, schwach ausgeprägt. Mit Hilfe vom Pickel konnte ich per Zufall ein gutes Placement für einen Keil herauslegen. Über eine gut strukturierte, steile Felsstufe rechts von diesem Riss kletterte ich 3m in Vogelkacke hinauf und querte dann wieder auf die linke Seite des Risses in eine kleine Höhle mit einem Block in der Mitte. Hier konnte ich 2 Friends legen, die halbwegs sicher waren. Doch das Abenteuer ging weiter. Zuerst versuchte ich spreizend den Riss hochzuklettern, doch ein Busch versperrte mir den Weg. Na dann, anderer Versuch. Angespannt war ich, doch ich war hoffnungsvoll und zuversichtlich dass ich einen anderen Weg finden werde. Links von mir war eine 2.5m hohe fast senkrechte Felsstufe mit guten Leisten. Doch wie ich weiter unten in Erfahrung brachte sind diese meistens ultra brüchig. Doch ich hatte fasst keine andere Wahl. In meinem Innern wusste ich, dass es gut geht. Uns so entschied ich mich, dies zu versuchen und zwar mit vollem Einsatz. Ich kletterte los, prüfte alle Leisten, sie hielten, waren aber staubig und ich hatte Angst abzurutschen. Ich war sehr konzentriert, fokussiert, querte noch etwas nach links und dann hinauf, war irgendwie im "Flow", geil, ich erwischte eine gute handgrosse Schuppe, setzte den Fuss hoch und erreichte so das rettende Band. Dort konnte ich meinen grünen Link-Cam perfekt setzen. Was für eine Wohltat, ich war fürs erste sicher."


Die restlichen 12m bis auf den Turm waren zwar nicht mehr so schwierig, aber immer noch steil, brüchig und keine Sicherungsmöglichkeit mehr. An einem Block konnte ich gut Stand bauen und Damian nach sichern. Die letzte Länge führte Damian. Sie war nochmals im Grad 5b und 50m lang, jedoch gut absicherbar und ebenfalls sehr schöne Verschneidungskletterei. Toll, ein cooler Abschluss unserer Route! Auf dem Gipfel genossen wir die späte Nachmittagsstimmung, kletterten anschliessend noch die 5min am Grat entlang, um den Hauptgipfel auch noch zu erreichen. Abgestiegen sind wir dann über einen weiteren kleinen Felsgipfel nördlich vom Hauptgipfel. Just als wir im Basecamp ankommen, beginnt es auch schon zu schneien. Wunderbar, ein Hammer Tag neigte sich dem Ende zu.

 

Unsere Route nannten wir: "Caballeros del Santo grietas", was so viel heisst wie "Ritter der heiligen Risse".

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