Triathlon CH360° - Mit Velo, zu Fuss und im Wasser um die Schweiz

Die Routenübersicht:

Warum das alles? Eine Frage, die ich in den untenstehenden Texten zu beantworten versuche. Nun aber zuerst zu den Spielregeln: Für mich war von Anfang an klar, dass ich soweit wie möglich unbegleitet (unsupported) gehen möchte. Nur so werde ich mit allen Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert und kann mein kleines Abenteuer in vollen Zügen geniessen. An den Wechselzonen brachte mir mein Bruder Stef mit seiner Partnerin Mel die neuen Materialien. Zudem wurde ich bei einigen Bergtouren von meinem Seilpartner Damian Göldi begleitet, das war genial. Vielen herzlichen Dank an alle Personen die mich unterstützt haben!

Alles beginnt bekanntlich mit einer Idee... bald zeichnete sich ab, dass meine geplante Solo-Expedition in Zentralasien in diesem Jahr ins Wasser fallen würde. Und wann gibt's  für einen Weltenbummler wie mich eine bessere Gelegenheit für ein solches Projekt in "heimischen Gefilden"? Einmal um die Schweiz... ein kleiner Bubentraum von mir! Ich freute mich riesig auf diesen Sommer und meine kleine persönliche Challenge: einmal die Schweiz umrunden, in Triathlons-Disziplin. Ich muss sagen, ich war so was von motiviert für diese Tour... ich konnte es kaum erwarten, bis es Ende Juli war. Zuerst standen die Semester-Prüfungen der Berner Fachhochschule an, und plötzlich ging alles Schlag auf Schlag (glücklicherweise alle Prüfungen gut bestanden, uff).

Start in der Bruthitze: mit dem Rennvelo von Genf ins Engadin

Am Montag, 27. Juli 2020, startete ich am frühen Nachmittag in Genf beim Jet d'Eau mit meinem Rennrad. Es war eine unglaubliche Hitze, das Wetter wolkenlos. Bald folgte der erste Aufstieg in Richtung Col de la Givrine, unzählige Pässe folgten in den nächsten Tagen. Während ich über wunderschöne Strassen und traumhafte Landschaften entlang der Grenze fuhr, kamen erste spannende Gedanken auf. Als ich in Genf startete, wusste ich, dass ich irgendwann in Genf ankommen werde. Irgendwann... egal ob in 4, 5 oder 6 Wochen. Ich wusste, ich werde dieses Projekt durchziehen, "ghoue oder gstoche" auf gut Deutsch. Natürlich, es treten immer Probleme auf, nichts läuft optimal oder wie geplant. Das ist normal! Für jedes Problem gibt's auch eine Lösung, das lernte ich auf all meinen Expeditionen. Und ich bin überzeugt, ohne diese (manchmal harten) "Learnings" und den entsprechenden "Mindset" wäre mir dieses Projekt nicht gelungen. Doch nun zurück zur Strecke: der Jura gefiel mir extrem gut, das Tal entlang der Doubes ist eine kleine Perle! Nadja begleitete mich auf einer kurzen Etappe in Frankreich, wunderschön. Nach einem Zwischenstopp bei Mama in Basel gings am dritten Tag dem Rhein entlang hinüber zum Bodensee und weiter bis an die Grenze von Lichtenstein. Am vierten Velo-Tag folgte auch schon die Königsetappe, mit dem Aufstieg über den Flüelapass hinüber ins Engadin und von dort aus hinauf nach Samedan. Gnadenloser Gegenwind forderte mich nochmals auf dieser letzten Velo-Etappe. Unterwegs übernachtete ich mehrheitlich mit meinem Schlafsack und Mätteli am Strassenrand. Ich freute mich auf ein warmes Bett bei einer Kollegin in Samedan. Bis auf einige eingeklemmte Nerven am Handgelenk überlebte ich diesen ersten Teil meines Triathlons wunderbar. In vier Tagen durfte ich so viele unterschiedliche Landschaften und Teile der Schweiz kennenlernen, ich war beeindruckt. Ich hätte mir keinen schöneren Start für diese Tour vorstellen können... ich war optimistisch und voller Energie für die kommenden Tage.

Die Tour bei der ich einen Ausflug in den Bergschrund machte: Bernina-Express

Wie sagt ein Sprichwort, wer rastet rostet... und es war perfektes Wetter. Mein Bruder Stef und seine Partnerin Melanie brachten mir all meine Bergsteiger-Sachen nach Samedan. Das war grossartig, ohne ihre Hilfe wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen! So gings mit Damian weiter in Richtung Piz Bernina. Der Biancograt ist immer wieder eine geniale Tour, wir trafen auf beste Verhältnisse und erreichten rechtzeitig vor dem Gewitter das Biv. Parravincini auf der italienischen Seite, oberhalb Sondrio. Dummerweise hatte ich vergessen die Roaming-Sperre einzuschalten. Trotz aktiviertem Offline-Modus schien mein Handy im Hintergrund gewisse Daten zu beziehen, eine Telefonrechnung von 198CHF gab mir dann doch einen gewissen Schock, als Student ein happiger Brocken... hihi. Und herrje, da war ja noch was... auf der italienischen Seite seilten wir über eine Felswand hinunter auf den Gletscher ab. Und da war doch was, auf dem Gletscher gibt's Spalten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch dieses Mal war ich irgendwie nicht so bei der Sache. Und schon befand ich mich im Sturzflug, hinunter in den Bergschrund. Zum guten Glück kam eine Schneebrücke nach 3 Meter, und mein Rucksack blieb durch Zufall auch gleich auf dieser Brücke liegen (ja, ich hatte den Cheib abgezogen). Bis auf Damians Handschuhe fehlte nichts, Glück gehabt. Nun dann, eine wunderschöne abgelegene Übernachtung wartete auf uns. Am folgenden Tag war das Wetter nicht der grosse Hit, nach der Sella-Überschreitung zwang uns ein Gewitter wieder ins (elend-lange) Val Roseg hinab. Von Pontrensina wartete somit ein entspannter Nachmittagslauf zurück nach Samedan. Oder besser gesagt, zurück auf Feld 0. So hatte ich eigentlich keinen einzigen Kilometer weiter geschafft, aber das war mir herzlich egal. Ich genoss am Folgetag einen entspannten Lauf im Regen den Engadiner-Seen entlang hinunter nach Vicosoprano, um von dort aus dann ins Bergell aufzubrechen. Die Pizza am Abend schmeckte wunderbar, ich freute mich auf einen gemütlichen nächsten Tag (es wartete nur der Aufstieg in die Albigna Hütte auf mich und Damian)...

Action im Val Bregaglia: Hinkelstein werfen am Grat von Cengalo und Badile

Naja, langsam startete schon das eine oder andere Wehwehchen. Gerade mein Überbein an der linken Ferse setzte mir mehr und mehr zu (in medizinischer Fachsprache: Haglundferse). Zu meinem Glück hatte Damian 3 Nummern grössere Schuhe, tat meiner Ferse wohlig gut. Doch bei den Bergschuhen wurde es immer wie haariger, zum guten Glück hatte ich einige Schmerzmittelchen dabei (könnte nun durchaus als Doping angesehen werden, ich weiss). Was solls, wir waren aufgeregt wie kleine Buben: das Bergell, ein Traum für den alpin versierten Kletterer und Bergsteiger! Und wir waren beide noch nie in diesem Gebiet (ist ja auch nicht gerade um die Ecke). Durch den Schneefall am Vortag wurde unser erster Klettertag super interessant. Von der Albigna Hütte kletterten wir über die Sciora Dadent ins Biv. Ronconi. Wow, ein Ambiente wie in Pakistan. Das Aufwärmen war also geschafft, das konnte ja heiter werden... es folgte ein Monstergrat: wir wollten vom Biv. Ronconi die Überschreitung des Piz Gemilli, Pizzo Cengalo und Pizzo Badile in Angriff nehmen. Von Vorteil: der Fels fast trocken. Von Nachteil: weder ein Topo noch Informationen. Denn die Überschreitung wurde selten gemacht, und wenn, dann in die entgegengesetzte Richtung. Nun gut, wir hatten Schlingen und Schlaghaken zum Abseilen mit dabei, alles tutti bene wie man hier in Italien sagen würde. Und mit 60m Halbseil und guter Laune klappt noch vieles, gell Damian ;-) Früh morgens gings los, und spät Abends hörte es im Biv. Pedroni auf. Dazwischen lagen unendlich viele Türme hinter uns. Brüchig wie Anton (eine schweizerische Ausdrucksweise), spannend "wiene Cheibe". Irgendwie hats geklappt, wir fanden glücklicherweise den richtigen Weg und hatten keine Probleme beim Abseilen. Nach einer kurzen Mahlzeit im Biv. Pedroni fielen wir sofort in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Tag gings wieder hinüber in die Schweiz und hinunter nach Bondo, wo mich auch schon wieder Stef mit meinem geliebten Rennvelo erwartete. Endlich geht's wieder ein ganzes Stück vorwärts!

Ein Bad in der Maggia ist in Sicht: mit Brünu Petroni im Sattel durchs Tessin

Nach einem feinen und stärkenden Znacht in Compolcino, gings tags darauf mit Brünu Petroni über den Splügenpass zurück in die Schweiz. Und ja, ich habe es ein wenig gesehen mit der Trockennahrung, das war richtig gut, mit Stef und Brünu wieder mal richtig zu essen. Über den San Bernardino ging's hinunter in Richtung Bellinzona und Locarno. Es wurde heiss, genau richtig für Liebhaber von heissen Strecken wie Brünu (er fährt in den Staaten auch durch die Wüsten, ist wohl sozusagen Nasenwasser für ihn heute). Nun ja, nach einer stärkenden Pause in Maggia auf dem Camping mit Stef und Mel, ging's Nachmittags hoch ins Val Bavona. Brünu ist bereits auf dem Rückweg nach Campodolcino, da sein Camper auf dem dortigen Campingplatz auf ihn wartet. Ich mache mich derweil an den brütenden Aufstieg nach San Carlo, zuoberst im Bavona... einfach immer wieder genial dieses Valley! Gute Erinnerungen an Klettertouren mit Roman kommen hoch. Wieder 180km und einige Höhenmeter geschafft, und schon bin ich an einem völlig anderen Ecken der Schweiz als gestern. Mein erstes Fazit: die Schweiz ist eigentlich ziemlich klein. Dafür extrem vielfältig! Und ja, da war doch die Maggia... damit ich ja nicht wohl aus der Übung komme, nahm ich mit Stef und Mel einen Schwumm im frischen Gewässer. Ich fragte mich zum ersten Mal: wie zum Himmel soll ich den ganzen Genfersee überleben? Nun gut, Schritt für Schritt. Grosse Ziele breche ich immer in kleinere hinunter. Und das nächste Ziel besteht darin, einen saftigen Burger und Eistee zu finden! Bon App.

Gewitter, Autostrassen-Rennerei und geschlossene Läden: Grenzerfahrung im Wallis

Warum das alles? Für mich wurde immer klarer, warum das alles Sinn macht. Warum ich jeden Tag aufs Neue Strapazen auf mich nehme. Was gibt's schöneres, als am Morgen aufzustehen im Wissen, dass der neue Tag wieder ein neues Abenteuer bringt? Ein neuer Tag mit Action, mit unbekanntem Ausgang. Ein neuer Tag, bei dem ich vor Herausforderungen gestellt werde, bei denen ich alleine für mich verantwortlich bin. Keine Störfaktoren, keine anderen Meinungen. Ich kann machen was ich will, und ich trage auch alle Konsequenzen. So war ich selber schuld, als ich in Valpelline weder eine Unterkunft noch einen Laden fand, um Lebensmittel einkaufen zu können. Das Leben beschränkt sich plötzlich aufs aller notwendigste. Mein Leben wird einfach, sehr puristisch. Ich versuche vorwärts zu kommen, Verpflegung zu bekommen und am Abend etwas trockenes zum Schlafen zu finden. Und ja, manchmal ist's gar nicht so einfach, gerade in den Bergen musste ich manchmal Verpflegung für mehrere Tage mitschleppen. Ich wollte ja nicht etwa mehrere Stunden ins Tal absteigen müssen, sondern möglichst in den Bergen bleiben. Doch zurück zum Valpelline... es ging nicht anderst, ich war am Ende meiner Kräfte. Irgendwie hatte ich einen Virus eingefangen, musste oft auf die Toilette. Und ich hatte keine Verpflegung mehr, und auch nichts zum Übernachten (es war alles ausgebucht). Da an diesem Abend heftige Gewitter angesagt waren, war mich nicht nach einem Biwak unter einem Baum. In diesem Moment entschied ich mich dazu, nach Aosta hinunter zu rennen. Gesagt getan, 2 Stunden später sass ich bei einer riesen Pizza auf der Bummelstrasse in Aosta. Wunderbar! Einziger Nachteil: am nächsten Tag musste ich wieder das ganze Tal hochlaufen, mit erneuter Verpflegung für mehrere Tage. Gibt schlimmeres, ich freute mich an der Pizza und dem Cola.  Ansonsten erlebte ich wunderschöne Touren im Wallis und an der Grenze zu Italien oder Frankreich. Zusammen mit Nadja konnte ich von der Saaser Seite über den Feechopf hinüber nach Zermatt klettern, das war wunderschön! Mit Damian versuchten wir uns an der Dent d'Hérens. Doch ich erwischte einen schlechten Tag und musste Forfait geben, ich war einfach zu langsam. Am Mont Dollent kletterte ich nochmals mit Damian. Nach dem Galletgrat wollten wir eigentlich weiter in Richtung Tour Noire, doch der zackige Grat liess uns etwas erschaudern. Uns war beiden nicht wirklich wohl, ohne Informationen und Topo in einen solchen Grat einzusteigen. Statt dessen gab es anschliessend einige wunderschöne Trailruns bis an den Genfersee. Und ich freute mich riesig, als ich das blaue Wasser des Genfersees endlich erblickte! Es konnte losgehen, ab ins Wasser. Die "Disziplin", auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Wenn der eigene Urin die einzige Wärmequelle ist: schwimmend durch den Genfersee

Am Nachmittag des letzten Lauftages traf ich in St. Gingolph ein. Irgendwie war ich glücklich und ängstlich zugleich. Den nun begab ich mich in unbekannte Gewässer. Schwimmen ist meine schwächste Disziplin überhaupt, da musste ich mir nichts vormachen. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viel geschwommen, wie ich nun in dieser Woche vor mir hatte. Wenn ich zurückblicke, war das Rennvelo fahren und Bergsteigen ziemlich berechenbar. Ich wusste, dass ich über mehrere Tage über 200km auf dem Rad fahren könnte oder 3000hm auf - und absteigen. Doch beim Schwimmen... ich hatte keine Ahnung. Am meisten Sorgen bereiteten mir die Schultern und der mögliche (resp. angekündigte) Gegenwind im Genfersee. Doch ich hatte Zeit und deshalb wusste ich, irgendwann komme ich sicher in Genf an. Und wenn's halt zwei Wochen dauert. Nun gut, mein Ziel war in etwa 10km am Tag, das sollte sicherlich möglich sein. Und so setzte ich am selben Abend zu meiner Schwimm-Exkursion an. Eigentlich wollte ich ohne Neorpren schwimmen, hatte ihn aber glücklicherweise in meinem Seesack mit dabei. Denn bereits nach 30 Minuten und knapp 300m Distanz frohr ich erbärmlich, hihi. Schon am ersten Abend hatte es zünftig Gegenwind und Wellen. Zudem war mein Schwimmsack nicht optimal, er zog mich im Wind ziemlich nach hinten. Naja, ich hatte einen Zweihundertstel der Strecke geschafft, Freude herrschte... und ich zog infolge dessen meinen Neopren an. Welch ein Glück, es war mir sofort wohlig warm. Ah ja, wenn man im Neopren Pipi macht, wird's noch wärmer. Eine Erkenntnis, die mir im Verlaufe der nächsten Tage half. Denn viel Reserve hatte ich in meinem Körper nicht mehr, geschweige denn etwas angespartes "Polster" an den Rippen. Konsequenz war, dass ich viel schneller kalt bekam. Vielleicht macht's doch Sinn, dass bei einem klassischen Triathlon zuerst die Schwimmdisziplin ansteht? So ging's Tag für Tag ins Wasser, Meter um Meter näher in Richtung Genf. Langsam und stetig, wobei stetig nicht ganz korrekt ist. Zwischenzeitlich brauchte ich für 1.5km weit über 2 Stunden. Gegenwind und Wellen sind einfach suboptimal zum Schwimmen, das lernte ich auf die harte Tour. Die Tatsache, dass mein übervoller Effektensack wie ein Treibanker wirkte, machte es nicht unbedingt besser. Erkenntnis: Gegenwind beim Schwimmen ist schlimmer als auf dem Rad. Doch es war mir egal, jeder Kilometer war einer weniger... das Schwerste war wohl wirklich, dass ich einfach so "cheibe langsam" vorwärts kam. Muss sagen, das schlägt mit der Zeit auf die Psyche. Im Vergleich zum Rennrad oder Bergsteigen kommst du einfach nicht vom Fleck. Eine weitere Problematik war mein beschränktes Volumen des Effektensacks. Ich hatte Mätteli, Schlafsack, Kleider und alles Nötige mit dabei. Leider war deshalb der Platz für Trinken und Essen sehr beschränkt. Ich befestigte somit auf beiden Seiten mit Spannriemen die Flaschen, das sah etwas aus wie Torpedos... Obendrauf kam ein Sack mit dem Essen, Sonnencrème und alles was im orangen Säcklein keinen Platz mehr fand. Nachteil: das ganze Gebastel war etwas hoch. Um zu erkennen, dass die Stabilität in folge dessen nicht gerade gross ist, braucht man nicht Physiker zu sein. Gerade bei Wellengang kehrte es mir den Sack immer wieder, manchmal lag er sogar quer im Wasser. Am liebsten hätte ich diesen Cheib geradewegs ins Wasser geschmissen, äh, da wollte ich ja auch hin... mir blieb nichts anderes übrig, musste mich wohl oder übel mit Johnny, so nannte ich ihn, anfreunden. In Evian bekam ich Besuch von Mama, das war eine grosse Freude und ein kleiner Motivationsschub! Mama meinte, dass meine Moral wohl auch schon höher stand. Da hatte sie Recht, ich verfluchte zum ersten Mal die Idee, dem Genfersee entlang zu schwimmen. Oder hätte ich zumindest jemanden, der mir meine Sachen mitnehmen könnte... aber sobald ich wieder im Wasser war, verschwanden alle negativen Gedanken. Ich schwimme, und schwimme, und schwimme immer noch. Zwar alles andere als schnell, dafür konstant. Und manchmal sieht man sogar einen Fisch, viele Fische, viele Pflanzen, mühsame Pflanzen, Schwäne. Schwimmen hat etwas meditierendes, beruhigendes. Ich hatte das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. In einer ruhigen Welt, was am Strand passiert, interessiert mich nicht gross. Und so kam es, dass ich in Thonon prommt den letzten Ausstieg ans Ufer verpasste. Und zack, befand ich mich bei Wellengang und zünftigen Wind in der Nähe der Kursschiffe, Lebensgefahr. Also sofort zurück und gedeckt getarnt in einem Freibad in der Nähe rausschleichen... der Bademeister meinte trocken: c'est interdit de nager ici. Das war mir auch klar, sonst wäre ich nicht hier. So ging's weiter bis nach Genf, mal mit mehr, mal mit weniger Nahrung. Denn bei der Verpflegung lag ein grosses Problem: Auch wenn der nächste Supermarkt oder das nächste Restaurant nur 4km weiter liegt, beim Schwimmen kann das bedeuten, dass man durchaus noch 4 Stunden oder mehr bis dort hin benötigt. Fazit: a) grösserer und robusterer Sack beschaffen b) nie wieder eine solche Idee umsetzen c) oder vielleicht doch? Irgendwie wars richtig spannend und hart!

Ankunft in Genf: strömender Regen und meine erste "Blattere"

Der letzte Tag beginnt früher als üblich. Heute sind ab 11 Uhr hohe Windstärken und erste Gewillter gemeldet. Schwimmen kann dadurch unmöglich werden, so wollte ich früh starten. Denn ich rechnete damit, dass ich die letzten Kilometer bis Genf zu Fuss zurücklegen muss. Und so wars auch, in Flipflops und bei strömenden Regen kam ich am späten Nachmittag beim Jet d'Eau an. Und siehe da, tatsächlich eine Blattere an meinen Füssen, das war köstlich. Die ganze Reise ohne eine einzige Blattere überstanden, und nun auf den letzten Kilometer... wieder ein Learning! Ich war glücklich und traurig zu gleich. So schade, ist diese Reise nun zu Ende. Es hat unglaublich viel Spass gemacht, ich durfte so viele tolle Momente erleben. Freilich, es gab auch unzählige harte Momente. Doch gerade solche Zeiten sind die Lehrreichsten. Mir wurde einmal mehr bewusst, was für ein Privileg ich habe, solche Touren und Abenteuer zu erleben, einen gesunden Körper zu haben und meinen ganz eigenen Weg gehen zu dürfen. Das weiss ich zu schätzen, und dafür bin ich dankbar!

Herzlichen Dank an Stef und Mel für den Materialtransport und eure Flexibilität, an Damian für die gemeinsamen Touren, an meine Freundin Nadja für die Unterstützung, an Roman für all die Tipps und Hilfe, an meine Familie und an Brünu Petroni für die tolle gemeinsame Velotour im Tessin! Es war genial, ich hab's sehr genossen.