Huayhuash - Anreise und Huaraz (18.-21.08.15)

Am Mittag startete unsere Reise in Thun. Mit dem Zug gelangten wir zügig durch die Tunnel nach Domodossola von wo wir direkt einen Bus an den Flughafen Milano Malpensa hatten. So trafen wir bereits um 15:00 Uhr dort ein, was sich auf dem Bauch niederschlug, da wir mehrheitlich mit essen beschäftigt waren. Als unser Gepäck aufgegeben war, waren wir doch etwas erleichtert im wahrsten Sinn des Wortes. Von nun an war es bis Lima deutlich angenehmer. Um 18:40 Uhr startete unser Flieger in Richtung Madrid Barajas, wo wir um 20:30 Uhr ankamen. Ein weiterer langer Aufenthalt folgte, ein weiterer voller Bauch ebenfalls (natürlich wieder Burger, unsere Reserven fürs hungern im Basecamp sollten somit gefüllt sein). Um 00:15 Uhr ging es endlich mit Iberia weiter im Direktflug nach Lima. 12 Stunden und einige Mahlzeiten später landen wir bereits um 05:30 Uhr Ortszeit am Flughafen Jorge Chávez. Von nun an galt es aufzupassen, munkelt man doch dass in Südamerika sich viele Langfinger herumtreiben und getrickst wird was das Zeug hält. Nun ja, dererlei Kumpanen gibt es alleweil in Peru, aber ein wachsames Auge, eine gesunde Portion Missvertrauen und etwas Menschenverstand bewart einem vor grossen finanziellen Problemen. Vorweggenommen, mit unserem riesen Baggage mussten wir auf der ganzen Reise lediglich folgende Verluste einstecken: ein kleiner alter Rucksack, 5 Pack Müsli, 1 Büchse einheimischen Kimbo - Kaffee und ein Sackmesser. Gibt schlimmeres... Vom Flughafen liessen wir uns per Taxi direkt in den Touristenbereich "Miraflores" chauffieren. In einem schmucken Hotel bekamen wir bis am Abend ein Zimmer und frühstückten auch gleich dort. Den Tag verbrachten wir in Lima oder im Bett. Um 21:00 Uhr wurden wir von einem Taxi abgeholt um zum Busbahnhof "Javier Prado" von Cruz del Sur zu gelangen.

Cruz del Sur überraschte mich, sehr sichere "Hauptbusstelle", professionelle Sicherheitskontrollen und sehr angenehmes Personal. Schon bald sassen wir im Bus und die Fahrt konnte starten. Nach einer langen Fahrt durch die endlosen Slums von Lima gings der Küste entlang bis der Bus irgendwann eine 90° Drehung nach Osten vollzog und über einen 4000m hohen Pass nach Huaraz auf 3000m gelang. Insgesamt dauerte die Fahrt 8h, so dass wir pünktlich um 06:00 Uhr ankamen. Ich konnte die meiste Zeit tiptop schlafen, denn für 5 Dollar mehr bekamen wir VIP Sitze... warum auch nicht?

Nach einem stärkenden Kaffee suchten wir unser Hostel Akilpo auf! Auch hier vorneweggenommen: Das Akilpo ist sehr zu empfehlen! Benjamin und sein Bruder Leo sind zwei super englisch-sprechende Typen und kennen sich im ganzen Trekking - und Bergtourismus in der Region wunderbar aus. Taxi, Eseltreiber und alles mögliche kann über sie organisiert werden. Es war jedoch auch immer lustig und interessant mit ihnen über Peru (und das "Government"), die Schweiz und vieles mehr zu sprechen. Nach dem wir unser Material im Zimmer deponierten, begann das grosse Shoppen! Food für 30 Tage musste organisiert werden, in Huaraz noch spannend, aber nicht unmöglich. Die Läden haben allerhand "Plunder" und Nahrungsmittel. Man findet eigentlich fast alles! ABER: Wer beabsichtigt, nach Peru Bergsteigen zu gehen und Riegel oder ähnliches mag, soll diese von zuhause mitbringen. Denn Riegel gibt es in Huaraz keine! Wir hatten insgesamt 240 Stück dabei. Auch Schokolade ist sinnvoll aus der Schweiz zu importieren, denn dort kostet eine gute Lindt-Tafel deutlich mehr als bei uns. Am Freitag Abend, dem 21. 08.15 hatten wir alles zusammen und warteten gespannt den nächsten Morgen ab, denn dann soll es losgehen in Richtung: Berg!

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Huayhuash - Basecamp-Anmarsch und Akklimatisierung (21.-27.08.15)

 Am Samstag, dem 22. August, ging es um 5 Uhr morgens los. Die Strassen von Huaraz waren noch leer und dunkel. Irgendwann fuhr unser Taxi vor und wir trauten unseren Augen nicht recht. Ein Mercedes Bus mit 30 Plätzen hielt. Auf meine Frage, ob er nach Llamac fährt sagt er "si". Nun gut, anscheinend geht es mit dem Bus besser , die Strasse nach Llamac hinauf zu fahren, da sie "eher" schlecht sei. Hm, was erwartet uns da? Auf jeden Fall haben wir somit unseren eigenen Bus und die Fahrt geht schon bald los. Noch im dunkeln lassen wir Huaraz hinter uns und fahren Richtung Süden. Als es Tag wird, erkennen wir, wie unglaublich schön hier die Landschaft ist. Die Strasse schlängelt sich durch riesige Hochebenen, geziert mit Gletscherbedeckten Gipfeln und ab und an einem rudimentären Bauernhof am Strassenrand. Wir geniessen die Fahrt sehr! Für mich war es sehr eindrücklich, durch diese Gegend zu fahren. Ich war glücklich, zufrieden und froh, dass wir Huaraz und alle "Stadtprobleme" hinter uns lassen können und das Abenteuer nun startet. Die Strasse schlängelt sich von 4000m auf ca. 3300m in die kleine Stadt Chiquian hinunter. Dort machen wir eine Pause und gehen mit unserem Busfahrer einen Kaffee trinken. Er genehmigte sich noch einen Teller Reis mit Poulet. Im Nachhinein muss ich sagen bin ich froh, hatte er sich für die kommende Fahrt noch gestärkt.


Mit dem Wort "Vamos" von unserem Busfahrer, startete ein neues Abenteuer: die Fahrt von Chiquian nach Llamac! Die Strasse bestand aus Erde, Kies und Steinen und war zum grössten Teil sehr eng und ausgesetzt. Zuerst fuhren wir bis auf 2800m hinunter, bevor es durch Schluchten mit reissenden Flüssen wieder hinauf nach Llamac auf 3300m ging. In meinem Tagebuch notierte ich folgendes: "Mein Herz pochte die ganze Zeit! Der Weg schlängelte sich durch das Valley und führte am Ende ganz hart an einer 100m tiefen Schlucht mit Fluss vorbei. Der Hang war ultra abschüssig. Und dann kam uns tatsächlich ein Lastwagen entgegen!" Nun, ich glaub ich mag mich errinnern, dass mein Herz noch mehr arbeiten musste. Nach ein paar mal hin und her zirkeln ging es gerade knapp vorbei. Millimeter Arbeit! Um 10 Uhr erreichten wir das Dorf Llamac.

 Unser Busfahrer holte auch gleich unseren Eseltreiber Marquaz, da er wusste wo dieser sein Haus hatte. Mit 6 herzigen "Eseli" kam dieser auch gleich zu uns. Zügig wurden unsere Sachen auf die Eselgespannt. Naja, eine faire Gewichtsverteilung gab es nicht, aber in der Hälfte wurde immerhin das Gewicht unter den Eseln gewechselt. So musste ich nicht so ein schlechtes Gewissen haben, dass ein Esel gegen die 60kg tragen musste, ein anderer am Beginn mit 10 davon kam. Wie sie sind die Esel, machten sie keine Anstalten dass sie durch das Gewicht gestört sind. Aber ehrlich gesagt machten sie auch nicht gerade Freudensprünge. Ich denke, sie wussten genau, was sie erwartete, wie sich später bestätigte. Und dann ging es los. Wir folgten unseren Eseln durchs Dorf und gelangten anschliessend auch schon bald auf den Wanderweg in Richtung Laguna Jauacocha. Unser Eseltreiber und seine Frau folgten mit einem Pferd. Zumindest eine Person konnte reiten, die andere war wie wir auch zu Fuss unterwegs. Mit meinen paar Brocken Spanisch versuchte ich mich mit Marquaz ein wenig zu unterhalten, was auch so halbwegs gelang. Dennoch, wirklich viel verstanden habe ich nicht, doch ein paar "si, si" und lachen erhellte die Stimmung tiptop. Auch wenn man sich gegenseitig nicht all zu gut versteht, so kann man es dennoch lustig haben. Gegen fünf Uhr erreichten wir das Ende der Laguna Jauacocha. Es begann leicht zu regnen, währenddessen wir unsere Zelter aufstellten. Zum Glück konnten wir gleich alles Material im Zelt in Sicherheit bringen bevor es richtig zu regnen begann. Unser Eseltreiber verabschiedete sich und ritt zurück ans andere Ende der Laguna Jauacocha wo er zusammen mit seiner Frau in einer Steinhütte übernachtete, um am nächsten Morgen nach Llamac zurück zu kehren.

 Am Sonntag, dem 23. August, stieg ich zuerst mit leichtem Gepäck die 300hm hinauf zur Laguna Rasaqcocha, unser geplanter Basecamp-Platz. Ich entschied, dass er eigentlich optimal ist und wir damit beginnen können, das Material hinauf zu tragen. Einen Nachteil hatte es jedoch: Die Sonne kam dort erst um 09:00 Uhr zum Vorschein, da wir im Schatten von der langen Rasac-Kette standen (daher "Rasaqcocha"). Als ich zurück beim Basecamp bin, plagen mich sehr starke Kopfschmerzen. Ich lag zuerst im Zelt herum, doch schon bald wurde es unerträglich heiss im Innern und ich flüchtete unter einen Stein. Währenddessen konnte Damian die ersten paar Ladungen Material hinauf an ein Depot transportieren. Am nächsten Tag ging es mir wieder besser und um 6 Uhr morgens startete ich mit dem ersten Transport hinauf. Für mich folgten heute noch 2 weitere und gegen Abend hatten wir endlich alles Material oben. Jetzt mussten wir es am Folgetag nur noch ans andere Ende der Laguna Rasaqcocha transportieren. Am Dienstag war dann auch alles hinten und wir konnten damit starten, unser ganzes Basecamp einzurichten und es uns gemütlich zu machen. Gleich am Mittwoch absolvierten wir eine Wanderung zur Akklimatisation auf einen 4990m hohen Aussichtsgipfel. Auf dem Abstieg litt ich wieder unter ziemlich starken Kopfschmerzen, was mir etwas Sorge bereitete. Ich fragte mich, ob ich die Höhe schlecht ertrage, oder ob es von der grossen Sonneneinstrahlung durch den Tag kam. Doch schlussendlich wurde mir bewusst, dass dies bei der Akklimatisierung wohl normal ist, denn nach 1.5 Wochen war ich endlich "schmerzfrei" im Kopf.

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Huayhuash - Nev. Tsacra Chico Norte 5513m - Ostgrat

Bereits am Donnerstag, dem 27. August, stiegen wir mit dem Hochlagerzelt hinauf an die 300m höher gelegene Laguna Barrosacocha, um uns einerseits besser anzuklimatisieren, andererseits am folgenden Tag den Nev. Tsacra Chico Norte über dessen schönen Ostgrat zu besteigen. Wir waren gespannt, denn dieser Grat stach uns direkt vom Basecamp aus in die Augen. Wie schwer wird er sein, fragten wir uns. Wie kommen wir wieder hinunter? Wie ist der Schnee, kann man sichern? Fragen über Fragen. Was wir wussten: Dass der Grat erstmals von 3 Japanern begangen wurde und seither wahrscheinlich nicht mehr, da es von Norden lediglich 4 Besteigungen zu verzeichnen gab. Genau richtig für unsere erste Tour! Eine coole Line, perfekte Höhe zum besseren Akklimatisieren...was will man mehr? Doch es kam anders: Als der Wecker um 2:30 Uhr klingelte, regnete es tatsächlich. Nach 3x Wecker verschieben war es dann auch schon 6 Uhr morgens. Es regnete zwar nicht mehr, jedoch war der ganze Himmel verhangen. So entschieden wir uns, einfach mit dem ganzen Material hinauf in die "Rasac Punta" (Rasac Pass) zu steigen und es dort zu deponieren, so dass wir am nächsten Tag mit leichtem Gepäck direkt vom Basecamp aus aufsteigen konnten. Am Mittag waren wir auch wieder unten und erholten uns gut. 

 

"Hm, geht es mir durch den Kopf, ich schaue doch mal auf die Uhr. Huch, schon 03:15 Uhr!? Irgendwie hatte ich den Wecker verschlafen. Zügig stand ich auf und nahm den Kocher in Betrieb!" So begann der Samstag, 28. August, an dem wir versuchen wollten, den Tsacra Chico Norte Ostgrat zu begehen. Mit etwas Verspätung starteten wir um 04:30 Uhr. Zwei Stunden später standen wir auch schon wieder bei unserem Materialdepot am Rasac Pass. Wir montierten all unseren Plunder und dann konnte es endlich losgehen. Ich war froh, gab es nun endlich etwas Action. Die ganze Anreise, der Materialtransport und das ewige Herumsitzen zerrte an meinen Nerven und meiner Motivation. Manchmal fragte ich  mich ernsthaft, was ich hier suchte. Doch nun war es mir klar, meine Gedanken waren voll und ganz auf den Moment, auf das Handeln im Hier und Jetzt gerichtet. Denn mir war klar, hier muss es "funktionieren", es darf uns kein "grosser" Fehler passieren. Denn eine Rettung würde lange, sehr lange dauern und wenn wir uns in eine Sackgasse manövrieren, könnte auch ein Rückzug problematisch werden. So versuchte ich immer möglichst vorausschauend zu klettern und zu handeln, was mir eigentlich auch gut gelang.

 

Der Grat startete direkt vom Pass aus. Zuerst gingen wir noch einige Meter seilfrei, bevor wir an eine erste Steilstufe gelangten. Hier seilten wir an und Damian kletterte darüber hinweg. Und dann kam auch schon das erste Mal die Frage: "Oha, wie geht es hier weiter?" Ein senkrechter und teilweise leicht überhängender Aufschwung von ca. 50m stand uns im Weg. Fast keine Risse, also war auch nichts zum Technoklettern, dafür waren wir zu wenig ausgerüstet. Links führte ein ziemlich brüchiges und staubiges Couloir hinunter. Diesem folgten wir. Und tatsächlich: Nach 20m abklettern führte von hinten wieder ein Couloir hinauf in eine Scharte nach dem grossen Turm. Juhu, wunderbar, schiesst es mir durch den Kopf. Dann kam auch schon die nächste schwierige Stelle. Ein weiterer grosser Aufschwung war uns im "Weg". Damian war an der Reihe und kletterte 10m einem grossen Riss im vierten Grad hinauf. Dann konnte er auf einem grossen Band 20m nach links queren und dort einen Standplatz einrichten, damit ich nachkommen konnte. Die Kletterei im Riss war traumhaft! Fest, nicht brüchig und gut absicherbar. Den ganzen Turm mussten wir wieder links in brüchigem Gelände umgehen, da auch dieser schlicht zu steil aussah (wie auf den Bildern zu sehen ist). Dann kamen wir auf einen langen, flachen Grat dem wir folgten. Auch der nächste Aufschwung sah wieder unglaublich steil aus. Mir wurde langsam bewusst, dass wohl mit einem erwarteten 3er hier nicht mehr zu rechnen war. Nun ich wollte es schwierig, jetzt habe ich es schwierig. Wunderbar eigentlich?! Auch diesen Aufschwung konnten wir links über einen steilen Gletscher umgehen. An dessen Ende stiegen wir durch ein brüchiges und steiles Couloir wieder zurück auf den Grat. Hier erwartete uns auch die Schlüsselstelle der ganzen Tour: Am Ende des Couloirs stieg ich in die letzte Seillänge ein. Zuerst einfaches, brüchiges Gelände mit etwas Schnee, was das ganze leicht rutschig machte. Dann musste ich verspreizend eine 2m hohe Verschneidung hinaufklettern und anschliessend nach rechts hinauf queren. Der Fels war brüchig, die Tritte ziemlich abschüssig und meine Finger kalt. Doch ich konnte einige Friends setzen, so dass wir gegen einen Totalabsturz gesichert wären. Beim dritten Anlauf nach einigem "Hinkelsteinwerfen" von brüchigen Griffen hatte ich die Lösung, vertraute ganz auf meine Füsse auf den abschüssigen Tritten und erreichte endlich den Ausstieg. Phu, einen guten Fünfer auf dieser Höhe zu klettern ist doch etwas anstrengender als in den Alpen geht es mir durch den Kopf. Am Grat baue ich einen Stand und sichere Damian nach.

 

Wir sind nun unter dem grossen, langen Aufschwung der zum ersten Firnfeld in der Nordwand führt. Und da kommt auch schon dass nächste "Problem". Ein kurzer Eisbuckel. Ich lasse Damian am Seil hinunter, montiere kurz die Steigeisen und klettere ab. Ich finde diesen Buckel faszinierend. Ein kleiner Überrest vom Gletscher, ca. 20m auf 20m gross. Auf der anderen Seite geht es in brüchigem Gelände gleich steil hinauf. Auf einem Absatz gönnen wir uns eine Pause und diskutieren über den Weiterweg. Der grosse Aufschwung entpuppt sich dann tatsächlich als eher einfach und der dritte Grad wurde nicht mehr überschritten. In ca. 5 Seillängen erreichen wir das Firnfeld in der Mitte. Hier können wir plötzlich dem Grat nicht mehr folgen. Hinter dem Firnfeld geht es sehr steil hinunter, und wie könnte es auch anders sein, auf der anderen Seite wieder sehr steil hinauf. Ich quere das ganze Firnfeld nach rechts (Norden) und gelange so vor die Abschlusswand. Hier begegneten wir das erste Mal dem sogenannten "Büsserschnee", von uns auch vorzugsweise "Mörderschnee" genannt. Einerseits deshalb, da er sehr spitzige aufragende Zacken hat, andererseits war es doch ziemlich anstrengend über die Spitzen zu steigen. Aber immerhin, abstürzen konnte man in diesen Zacken nicht. Das Büssereis entsteht durch ungleichemässige Abschmelzung bei starker direkter Sonneneinstrahlung und geringer Luftfeuchtigkeit. Man findet ihn vorwiegend in randtropisch - und subtropischen Trockenzonen. Die Zacken können bis zu 6m hoch werden. Bei uns überschritten sie die 1.5m Grenze zum Glück nicht, sonst könnte es unter Umständen problematisch werden. 


Nach einer Pause unter der Schlusswand stieg ich ein und folgte der einfachsten Linie. Mal schauen wie es da oben aussieht, dachte ich. Doch ich dachte auch: "Mei, das sieht jetzt stotzig aus...?!". Doch es ging besser als erwartet. Ich fand eine optimale Linie, konnte gute Stände bauen und entspannt klettern. Nach 4 Seillängen erreichten wir das obere Gipfelfirnfeld. Die Schwierigkeiten überschritten den 4. Grad nicht mehr, wunderbar! Das Gipfelfirnfeld wartete nochmals mit "Mörderschnee". Die Luft war nun etwas dünner, wir bereits seit einigen Stunden unterwegs, was sich in Schneckentempo ähnlicher Geschwindigkeit äusserte. Doch gegen 13:00 Uhr erreichten wir den Gipfel. Wuhu, unser erster 5000er, und das über eine so coole und schöne Route, wunderbar! Über das Firnfeld stiegen wir ab, unten seilten wir an einem alten vorhanden Schlaghaken (ich glaubte es kaum), 15m ab. Den Rest der Gipfelwand stiegen wir gesichert ab. Zurück am Fuss der Wand zog ein Grat Richtung Norden. Wir folgten diesem, den von unten sahen wir dann südwestlich vom Nordgrat ein Couloir hinunter ziehen. Mal schauen, ob wir das absteigen können...ich hoffte es auf jeden Fall. Und tatsächlich, nebst einigem an Bruch und Schotter hielt es keine Schwierigkeiten mehr bereit. Hehe, eine Seltenheit heute. Wir querten zurück zum Rasac Pass, wechselten Bergschuhe gegen Trailschuhe und setzten den restlichen Abstieg ins Basecamp fort, welches wir gegen 18:00 Uhr erreichten. Müde und doch ziemlich zufrieden kochten wir uns wie noch häufig in Zukunft unsere Teigwaren mit Tomatensauce.

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Huayhuash - Nev. Rasac 6017m - Erstbegehungsversuch in der W-Wand

Am Tsacra Chico Norte entdeckten wir eine schöne Eislinie in der Westwand des Nevado Rasac 6017m. Wir wussten dass die Pfeiler alle geklettert wurden, doch dazwischen noch viel Neutourenpotential bestand. Doch heutzutage geht fast niemand mehr von dieser Seite auf den Rasac, da bereits der Zustieg zur Wand in den Alpen im Bereich SS- ist. Früher war der Gletscher hinauf deutlich besser zu begehen, heute mussten wir beide Eisgeräte gebrauchen. Wir sahen einen möglichen Weg hinauf auf das Gletscherplateau. Alle anderen Wege waren uns einfach schlicht optisch zu gefährlich, da sie unter Abbrüchen vorbeiführten. Und wie uns später zeigte, fällt da häufig etwas runter. 


Nach einem Ruhetag am Sonntag, starteten wir am Montag, dem 31. August um 06:00 Uhr morgens in Richtung Rasac Westwand. Das technische Material hatten wir nach dem Tsacra Chico Norte gleich oben gelassen. Dennoch waren die Rucksäcke mit Food für 4 Tage, Zelt, Schlafsack und allem drum und dran schon hier ziemlich schwer. Um 08:00 Uhr waren wir beim Depot, um 09:00 Uhr erst starteten wir mit dem Aufstieg über den Gletscher. Deutlich zu spät, einer von mehreren Fehlern heute. Beim Bergschrund war ich mir lange nicht sicher, ob ich das Risiko von Eisschlag eingehen soll und in die Wand einsteigen soll. Denn bereits um 08:00 Uhr gabs links von uns einen grossen Eisabbruch. Der Abbruch über uns selbst war nicht allzu fest gefährdet, doch ich sah, dass er riesige Eiszapfen an sich hatte, die abbrechen konnten.


Nach zu langem grübeln stieg ich ziemlich genervt ein, überquerte den Bergschrund an einer guten Stelle und stieg das 50° steile Gelände zügig hinauf. Nach 50m erreichte ich links die Felsen, an denen ich einerseits Stand machen konnte, andererseits wir gut geschützt waren. Als Damian hier war kletterte ich nochmals 20m hinauf und machte erneut Stand, da wir hier noch besser geschützt waren und wir es so gleich in 50m zum nächsten Felsen schaffen sollten. Es folgte die 3. Länge mit hartem Schnee und oben Blankeis. Ich konnte gerade unter einem Felsen im Eis Stand machen und Damian nachsichern. Als er hier war kletterte er die nächste Länge vor, querte nach im Eis nach links und dann knackste es ziemlich laut, es gab wie einen Knall. Ich kannte dieses Geräusch, dies entsteht wenn Spannung verloren geht, anders ausgedrückt: wenn Eis bricht, sich löst oder sonst etwas. Ich wurde sofort sehr nervös, gab Damian die Anweisung dass er sofort nach links hinaus solle und dort in gutem Eis einen Stand einrichten soll. Ich wusste, dass das Eis hier nicht zu dick ist und unten sicherlich schon bald Fels kam. Irgendwie hatte ich Angst, Angst dass die ganze Eisplatte abbricht. Damian stiess jedoch auf Pulver und kam nur langsam vorwärts. Ich bereitete alles so vor, dass ich den Stand zügig abbauen konnte und hinüberklettern konnte, was ich dann auch machte. Der Stand war jedoch ziemlich mies, so kletterte ich durch grund - und haltlosen Pulver nach links an einen Abbruch, an dem ich einen Stand machen konnte. Die nächste Länge kletterte ich wieder vor. Es war mühsam, Pulver, Firn, Eis... alles wechselte sich ab. Und zum Schluss gab es ein nervenaufreibendes "Rumeiern" auf grundlosem Pulver. Mit Händ, Bauch und allem drum und drann "schwamm" ich regelrecht über den Spaltenrand hinein in die Spalte, in der ich einen guten Stand bauen konnte und Damian nachsicherte. Er kletterte dann gleich rechts um die Spalte rum und in weiteren 30m hinauf zu einer nächsten Spalte. Auch hier, viel viel Pulver... dann musste ich schweren Herzens entscheiden, dass wir abbrechen mussten. Wir waren schlicht viel zu langsam unterwegs, unsere Rucksäcke zu schwer, und ich denke auch im Nachhinein, wir der Wand nicht gewachsen. Für 200m klettern benötigten wir fast 4h. Doch lustig war es trotzdem.


Die letzte Länge stiegen wir ab, dann richtete ich zweimal eine Eissanduhr ein, damit wir 2x50m abseilen konnten. Zum Schluss kletterten wir nochmals 50m ab. Ich gab Gas, den hier unten waren wir ausgesetzt. Trotz der Nachmittagswärme hielt die Brücke über den Bergschrund noch. Der Abstieg über den Gletscher ging flott von statten. Unten gönnten wir uns ziemlich erschöpft eine M-Budget Tafel Schokolade... ein Traum nach solcher Anstrengung! Dennoch ziemlich enttäuscht und erschöpft nehmen wir mit allem Material den restlichen Abstieg ins Basecamp in Angriff. Gerade als es vollständig eindunkelt, erreichen wir das Camp. Nach Polenta verkrochen wir uns ziemlich rasch in den warmen Schlafsack. Ein harter (in psychischer und physischer Weise), aber sehr lehrreicher Anden-Tag neigte sich dem Ende zu.


Doch wie sagt Werner Munter: "Ob etwas positiv oder negativ ist, kommt darauf an, wie man die Sache sieht!". Zuerst war ich natürlich sehr niedergeschlagen, doch im Nachhinein realisierte ich, wie viel wir auf dieser Tour gelernt haben und dass wir nun die nächsten Abenteuer mit mehr Wissen und Erfahrung in Angriff nehmen können!

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Huayhuash - Nev. Seria Norte 5810m - Ostgrat

Am Morgen vom Mittwoch, dem 02. September, stehen wir zeitig auf, da wir noch alles packen und uns anschliessend in ein Tal rechts von unserem begeben. Doch zuerst heisst es wie immer: Kaffee und Frühstück. Ein Highlight für mich jeden Morgen, ich mag die peruanischen Müsli sehr! Um 10:00 Uhr stärkten wir uns noch mit Reis und Tomatensauce, bevor es los ging. Zuerst mussten wir 300hm absteigen um anschliessend wieder der Laguna Solteracocha nach Osten zu folgen und auf einer mittlerweilen ziemlich botanischen Moräne wieder hinauf zum Yerupaja West-Glacier aufzusteigen. Der Rucksack ist schwer, die Sonne brennt unerbärmlich und ich bin an diesem Tag irgendwie ganz schlecht drauf. Was mache ich hier? Wieso gehe ich nicht einfach in den Alpen Bergsteigen? Und noch viele weitere Fragen, vor allem auch zu mir selbst, stellte ich mir und ich viel in diesem Moment gleich in ein tiefes Loch. Auf 4700m war fertig, wir stellen das Zelt, kochten das Abendessen und verkriechen uns beim eindunkeln in die Schlafsäcke.

 

Der nächste Tag, es ist ein Donnerstag (eigentlich ja unbedeutend hier draussen), begann um 02:00 Uhr. Ich kochte Wasser für unser Trek'n Eat Müsli und Kaffee. Die Vollkornfrüchte-Müsli von Trek'n Eat mag ich sehr und ich freute mich immer darauf, sie zu essen! Allgemein war ich erstaunt, ich hatte in der Höhe immer guten Appetit, auch auf dem Gipfel des Rasac eine Woche später. Ich fühlte mich wieder besser und fitter als gestern, so sah ich dem Tag positiv entgegen. 

 

Um 03:15 Uhr liefen wir im dunkeln los. Es war heute sehr kalt, ich lief bis es hell war in der Daunenjacke. Doch der Tag startete dann doch nicht so rosig. Da wir gestern den Weiterweg nicht mehr erkunden konnten, gab es heute morgen ein kleineres Problem. Beim Zustieg zum Gletscher mussten wir einen riesigen Abbruch rechts über eine Moräne umgehen. Doch wir verpassten den Abzweiger und fanden uns plötzlich in einer steilen Felswand wieder. Nun ja, hier war "Aus die Maus". Wir suchten weiter, fanden nichts. Dann kamen wir auf die Idee, dass die Abzweigung wahrscheinlich deutlich weiter unten sein musste. So stiegen wir wieder ab und beschlossen, dass wir zurück zum Zelt gehen und es morgen nochmals versuchen. Denn wir hatten bereits über eine Stunde verloren, und eine Stunde ist in der Cordillera Huayhuash bereits viel, denn am Abend gab es meistens Niederschlag. Doch plötzlich stiessen wir tatsächlich auf die Abzweigung. Es war noch immer dunkel und wir beschlossen, es zu versuchen. So wechselten wir von Abstieg zu Aufstieg. Pünktlich zum Morgengrauen um 06:30 Uhr erreichten wir den Gletscherrand, wo wir unsere Sachen montierten und anschliessend in die Mitte des grossen Gletschers traversierten. Dieser war sehr angenehm zu begehen. In der Mitte war es flach und es hatte somit nicht all zu viele Spalten. Der Schnee war hart mit einer kleinen Pulverschicht von gestern Abend. Diese störte aber nicht. Doch der Gletscher zog sich, wir querten unter der riesigen und steilen Yerupaja Westwand durch. Der Yerupaja ist nach dem Huascaran in der Cordillera Blanca der zweithöchste Berg in Peru! Aber von vielen Büchern zitiert: "Der Yerupaja ist wohl einer der mächtigsten und wuchtigsten Berge in Peru". Nun ja, das kann ich bestätigen, er ist sehr eindrücklich und seine Westwand lädt zu einer Skiabfahrt ein. Ein Projekt für die Zukunft. Um ca. 08:30 Uhr erreichen wir den Sattel zwischen Rasac und Yerupaja. Zuvor mussten wir wieder eine Flanke mit "Mörderschnee" hinauf, juhu.

 

 Im Führer stand: "Es führt ein einfacher Firngrat hinauf zum Gipfel". Nun, dass es mit dem Firn schon eine Zeit her ist, sahen wir von weitem, aber auch der Fels hat nichts mehr mit einer Tour der Stufe "WS" zu tun. Aber egal, je schwieriger, desto besser. Der Grat ist brüchig und manchmal muss doch ordentlich zugegriffen werden. Dies aber immer mit der nötigen Vorsicht. Auf 5750m queren wir die ganze Felswand 100m nach rechts in den Sattel zwischen Rasac und Seria Norte. Es ist bereits 10:00 Uhr. Unseren ursprünglichen Plan, den Rasac zu besteigen, müssen wir wegen der fortgeschrittenen Zeit und unserer Müdigkeit aufgeben. Doch die 20min über den Firngrat hinauf zum Seria Norte Gipfel, der immerhin 5810m hoch ist, wollen wir uns nicht entgehen lassen. So quälten wir uns in der Mittagswärme noch bis zum Gipfel hinauf. Da er ziemlich überwächtet war stiegen wir die letzten Meter einzeln hoch. Man weiss ja nie...


Anschliessend gönnten wir uns eine ausgiebige Pause und genossen die unglaublich schöne Aussicht auf Yerupaja und Co. Ich gebe es zu, für mich war ein grosses Highlight, dass wir hier einfach absolut allein sind. Kein Bähnli (ich gebe es aber zu, in der Schweiz mag ich sie auch, aber deshalb sind wir ja hier), keine andere Bergsteiger, keine SAC Hütte, kein Heli... die Liste könnte man noch erweitern, aber ich denke man spürt was ich denke. Es war einfach wunderbar hier zu sein in dieser Landschaft. Der Abstieg über den Grat verlief problemlos, wenn auch etwas langsam und mit der nötigen Vorsicht. Auch der Gletscher war noch tiptop zu begehen. Um ca. 17:00 Uhr erreichten wir erschöpft das Zelt, kochten ein feines Znacht und genossen die super Abendstimmung. Heute gab es nicht einmal gross Wolken, wunderbar. So bald es eindunkelte, wurden auch unsere Lichter gelöscht.


Nun mussten wir unbedingt einige Ruhetage machen. Auf dieser Höhe verbrauchten wir deutlich mehr Energie. Auch die Erholungszeit war deutlich länger. Nach 3 Tagen waren wir einigermassen fit und bereit, wieder in Richtung Rasac aufzubrechen.


Life is good :-)

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Huayhuash - Nev. Rasac 6017m - Südostgrat

Wie bereits vor einer Woche marschierten wir wieder in Richtung Yerupaja Westgletscher. Diesmal stiegen wir jedoch bis auf 5100m auf, wo wir unser Zelt direkt auf der staubigen Moräne aufbauten. Im Nachhinein stellte sich dies als Fehler heraus, roter Sand und Dreck lassen grüssen. Ich transportierte noch alles technische Material hinauf zum Gletscher, damit wir mit leichtem Rucksack starten konnten. Dann gab es das "Znacht", immer ein Highlight für mich, denn ich hatte immer unglaublich Hunger. Trek' n Eat "Reispfanne Balkanart", nebst "Pasta Primavera" (mein Lieblingsgericht) ein grosser Favorit aus der Trockennahrungs-Speisekarte.

 

Am nächsten Tag war um 02:30 Uhr Tagwache und ich freute mich wieder an meinem Müsli! Heute war es deutlich weniger kalt, denn schon nach 10 Minuten musste ich mich meiner Daunenjacke entledigen. Auch den Weg verfehlten wir dieses Mal nicht und so waren wir bei Tagesanbruch bereits mitten im Gletscher. Kurz danach erreichten wir den Sattel und kletterten ziemlich zügig den uns bereits bekannten Seria Norte Ostgrat hinauf. Um ca. 08:30 Uhr standen wir im Sattel und gönnten uns eine längere Pause, bevor wir uns an den Rasac Südostgrat machten. Von hier aus sah er ziemlich eindrücklich und steil aus. Doch es wurde tatsächlich wurde es nicht all zu einfach. Der Firn war teilweise gespickt mit "Mörderschnee", weshalb wir von Zeit zu Zeit in den Fels auswichen. Dieser war jedoch alles andere als angenehm. Wie wir bereits von unten erahnten, bestätigten sich die Erwartungen, dass er wohl ebenfalls unter die Kategorie "Steinbruch" gehörte. So kletterten wir immer abwechselnd in Fels, Eis und Schnee. Die Höhe machte sich langsam bemerkbar, wir kamen nur noch schleichend vorwärts. Selbst das Einschlagen des Pickels brauchte mehr Kraft als sonst. Gerade zur Mittagszeit um 12:00 Uhr erreichte ich den letzten überwächteten Firngrat, der in angenehm steiler Kletterei auf den 6017m hohen Hauptgipfel des Nevado Rasac führte.


Wir waren glücklich, in diesem Moment unseren ersten 6000er bestiegen zu haben. Es war angenehm warm, denn es ging nur ein laues Lüftlein. Wir genossen während einer ausgiebigen Pause das wunderbare Panorama, die Stille und die wohltuenden Schlucke Peronin (Hightech-Food von Trek'n Eat) die uns wieder Kraft verleiten. Doch bekanntlich sind wir ja erst in der Hälfte der Tour, was sich auch hier bestätigte. Der Abstieg zog sich dahin. Auch das abklettern verlangte einiges an Konzentration und Energie. Am späten Nachmittag erreichten wir das Col. Schleppend langsam ging es anschliessend über den nicht enden wollenden Yerupaja Westgletscher. Um 17:00 Uhr erreichte ich endlich das Zelt und nahm so gleich den Kocher in Betrieb um Tee und Suppe zu kochen. Das einzige was wir hier oben noch hatten... Als Damian eintraf konnten wir auch gleich essen und uns anschliessend für 10min ins Zelt legen. Doch ich wollte noch weiter hinunter auf 4700m. Mir war schon den ganzen Nachmittag ziemlich übel und ich hatte ein ganz komisches Gefühl in Hals und Magen. Unten hatten wir ein Depot mit Nahrung, dies war natürlich die Hauptmotivation das Zelt abzubauen und unten wieder aufzustellen. Doch kurz vor dem Eindunkeln erreichten wir es und stellten das Zelt an seinen gewohnten Platz. Nach einer super stärkenden Polenta mit Tomatensauce fielen wir beide in einen tiefen Schlaf.


Am nächsten Morgen war mir wieder besser und ich genoss das Morgenessen. Anschliessend räumten wir wieder alles auf und stiegen hinab an die Laguna Jauacocha, von wo aus die doch etwas "nicht erwünschten" 300hm Gegenanstieg auf uns warteten. Tönt nicht wirklich nach viel, auf über 4000m, mit schwerem Rucksack und nach einer anstrengenden Tour wird die Sache wohl eher zur Tortur... zu mindest für Bergsteiger wie uns. Glücklich und mit der Gewissheit, uns nun erholen zu können erreichen wir am Mittag unser Basecamp, wo wir nach dem Mittagessen ein ultra hammermässig gutes "Mousse au Chocolat" verputzten. Unglaublich, wie schön so etwas hier oben ist!

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Huayhuash - Erstbegehung "Caballeros del Santo grietas" - 5c / 5 SL / Trad

Bereits eine Woche zuvor betrachteten wir mit dem Feldstecher diesen 4705m hohen Felsturm mit seiner 200m hohen Westwand. In meinem Tagebuch notierte ich folgendes: "Dann will ich zurück ins BC kommen und diese Felswand am Taleingang erstbegehen. Sie sieht unglaublich anziehend aus, von der Seite unheimlich steil und vor allem einfach reizend! Mein wahres Objekt der Begierde, ein Traum wie ich es mir vorstellte: klein aber fein, unbekannt, wild und von vielem unbekanntem umgeben. Ich kann es kaum abwarten, mir dieses Stück Fels einzuverleiben." So viel zum Thema Erotik in den Bergen ;-) Am Freitag, dem 11. September, war es dann endlich so weit, wir stiegen um 09:30 Uhr direkt vom Basecamp aus hinauf zum Einstieg der Felswand. Es hätte auch keinen Sinn gemacht, früher zu gehen, da es zu kalt wäre. Am Fuss der Felswand eingekommen geht ein ziemlich starker Wind. Klettern im T-Shirt war nichts, Pulli und Windjacke gehörte dazu.

 

Damian kletterte die erste Länge vor. Nach 25m bezog er Stand. Die Einstiegslängen entpuppten sich als ziemlich grasig, was wir von weitem leider nicht sahen. Nichts desto trotz, der Fels ist ziemlich scharf und von guter Qualität in den ersten beiden Längen. Die nächste Länge führte ich, sie war mit gerade 50m doch ziemlich lang dafür nur im oberen vierten Grad, also nicht zu schwierig. An einem grossen Felsblock konnte ich Stand beziehen und Damian nachsichern. Die nächste Länge war ein Quergang. Wir mussten links um den Turm herum, über uns war es zu schwierig. Damian machte in einem riesigen Couloir einen Stand an zwei Schlaghaken und ich kam nach. Die nächste Länge sah nun sehr spannend aus. 

 

Den folgenden Text habe ich aus meinem Tagebuch übernommen. Er beschreibt die folgende Schlüssellänge. Obschon im Grad 5c nicht wirklich schwierig, war ich mental doch ziemlich gefordert. Der Unfall vom vergangenen Februar rückte plötzlich wieder in den Vordergrund und mir wurde bewusst, dass ich hier nicht abstürzen darf. Also, Konzentrierung und volle Kraft voraus... :


"Zuerst gerade hinauf, dann nach links mit Spreizschritt querend in den Riss. Hier konnte ich den grossen blauen Friend legen. Ich sagte: "Hm, chönnt häbe". Und dies war eigentlich auch das Wort für alle folgenden Sicherungen. Vielleicht hielten sie, vielleicht auch nicht. Und hier im Riss kam auch eine erste technisch schwierige Stelle. Ich musste mit links in der Gegenwand stehen, mich an der Risskante halten, mit rechts auf feinen Strukturen in der Wand stehen und so ca. 2 Züge hinauf "piazen". dann war ich auf einem schwach ausgeprägten Gras - und Kiesbödeli, rutschig... 2m weiter oben kam ich in brösmeligem und brüchigen Fels rechts und links eigentlich gutem Fels. Es war eine Art V-Kamin mit einem grossen Moos-Riss in der Mitte. Mir war nicht so wohl, da alles heikel, dreckig und brüchig war. Ich wollte weiter klettern, brach ab, zurück, versuchte wieder. Dann wusste ich, dass ich eine Sicherung brauche. Ich nahm den Pickel hervor und wollte einen Schlaghaken setzen. Funktionierte jedoch nicht. Dann kam mir die zündende Idee. Mit dem Pickel befreite ich feine Risse von allem Dreck und Moos, und siehe da, ich konnte gleich zwei Friends setzen und anschliessend weiter klettern. Es folgten nochmals heikle Züge in Bruch mit Keil und einem Friend, bevor ich nach 20m ein ca. 4m steiles Band mit Kies erreichte. Doch ich konnte nirgends Stand machen, so entschied ich mich, bis hinauf auf den Turm zu klettern. Am Ende des Bandes tat sich wieder ein Riss auf, schwach ausgeprägt. Mit Hilfe vom Pickel konnte ich per Zufall ein gutes Placement für einen Keil herauslegen. Über eine gut strukturierte, steile Felsstufe rechts von diesem Riss kletterte ich 3m in Vogelkacke hinauf und querte dann wieder auf die linke Seite des Risses in eine kleine Höhle mit einem Block in der Mitte. Hier konnte ich 2 Friends legen, die halbwegs sicher waren. Doch das Abenteuer ging weiter. Zuerst versuchte ich spreizend den Riss hochzuklettern, doch ein Busch versperrte mir den Weg. Na dann, anderer Versuch. Angespannt war ich, doch ich war hoffnungsvoll und zuversichtlich dass ich einen anderen Weg finden werde. Links von mir war eine 2.5m hohe fast senkrechte Felsstufe mit guten Leisten. Doch wie ich weiter unten in Erfahrung brachte sind diese meistens ultra brüchig. Doch ich hatte fasst keine andere Wahl. In meinem Innern wusste ich, dass es gut geht. Uns so entschied ich mich, dies zu versuchen und zwar mit vollem Einsatz. Ich kletterte los, prüfte alle Leisten, sie hielten, waren aber staubig und ich hatte Angst abzurutschen. Ich war sehr konzentriert, fokussiert, querte noch etwas nach links und dann hinauf, war irgendwie im "Flow", geil, ich erwischte eine gute handgrosse Schuppe, setzte den Fuss hoch und erreichte so das rettende Band. Dort konnte ich meinen grünen Link-Cam perfekt setzen. Was für eine Wohltat, ich war fürs erste sicher."


Die restlichen 12m bis auf den Turm waren zwar nicht mehr so schwierig, aber immer noch steil, brüchig und keine Sicherungsmöglichkeit mehr. An einem Block konnte ich gut Stand bauen und Damian nach sichern. Die letzte Länge führte Damian. Sie war nochmals im Grad 5b und 50m lang, jedoch gut absicherbar und ebenfalls sehr schöne Verschneidungskletterei. Toll, ein cooler Abschluss unserer Route! Auf dem Gipfel genossen wir die späte Nachmittagsstimmung, kletterten anschliessend noch die 5min am Grat entlang, um den Hauptgipfel auch noch zu erreichen. Abgestiegen sind wir dann über einen weiteren kleinen Felsgipfel nördlich vom Hauptgipfel. Just als wir im Basecamp ankommen, beginnt es auch schon zu schneien. Wunderbar, ein Hammer Tag neigte sich dem Ende zu.

 

Unsere Route nannten wir: "Caballeros del Santo grietas", was so viel heisst wie "Ritter der heiligen Risse".

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Huayhuash - Nev. Tsacra Chico 5548m - Erstbegehung Westwandcouloir

In gemütlichem Tempo marschieren wir am Sonntag, dem 13. September los. Unser Ziel ist die westlich von unserem Basecamp gelegene Laguna Tsacra. Der Weg führt über einen 4990m hohen Pass. Ich bin bereits etwas müde und schlapp von der ganzen Expedition, deshalb hält sich meine Motivation noch etwas in Grenzen. Doch nach 2h sind wir auch schon auf der Passhöhe, das Aufstiegssoll war also bereits erreicht. Der Weg hinunter auf 4700m zur Laguna Tsacra war wunderschön. Der Weg war zwar staubig und steinig, es erwarteten uns jedoch wunderbare Felsformationen und zwei traumhafte "Mini-Lagunen". So machte das wandern mit dem schweren Rucksack Spass! Bereits am frühen Nachmittag treffen wir an der Lagune ein. Wir entscheiden uns, das Zelt nicht direkt an der Laguna Tsacra, sondern an einem kleinen See oberhalb aufzustellen. Als wir den See inspizieren, entdecken wir eine tote Kuh, die auf einer Algenbank aufgelaufen war. Wie die ins Wasser kam, erschliesst sich mir nicht ganz. Aber sie war da, der Verwesung auf der Oberseite (die Unterseite war im Wasser und gut erhalten) schätzten wir, dass sie doch schon eine ganze Weile da ihren Frieden gefunden haben muss. Deshalb entschied ich mich, das Wasser zum kochen und trinken von der 10min entfernten unteren Lagune zu holen. Man weiss ja nie... Den Nachmittag verbrachten wir essend, schlafend, schreibend und rätselnd... wie wird die Wand aussehen? Wie werden die Verhältnisse sein? Unüberwindbare Gletscherspalten? Viele Fragen, doch ich freute mich jetzt nochmals riesig darauf, etwas im Eis zu pickeln. Eine meiner Lieblingsspielarten im alpinen Gelände. Und morgen schien es endlich wieder so weit zu sein. Und ja, wir wurden nicht enttäuscht. Auch wenn wir insgesamt fast 15h unterwegs waren, zum klettern war es einfach schön, easy und "es het gfägt". Aber von vorne...


Tagwache war wie gewohnt um 02:30 Uhr. Draussen war es wieder kalt, jedoch nicht so wie auch schon. Das kochen des Wassers braucht immer etwas Überwindung. Wir hatten ja wieder den Benzinkocher dabei, weshalb wir nicht im Zelt kochen können. Doch wir hatten uns eingerichtet und so konnte ich ihn halbwegs aus dem Schlafsack bedienen. Nach einer halben Ewigkeit kochte das Wasser endlich und wir konnten unser Müsli verzehren. Dann hiess es anziehen und ein wenig später waren wir startklar.


Zuerst ging es hinunter zur Laguna Tsacra und anschliessend wieder 300hm über eine Schutt-Moräne hinauf an den Gletscher des Nevado Tsacra Chico. Wir folgtem dem Gletscher auf Schutt an seinem Rand bis wir auf Höhe der Westwand waren. Hier schirrten wir uns an und dann ging es auch schon los. Der Zustieg über den Gletscher hielt sich verhältnismässig kurz, denn in 20min waren wir bereits am Einstieg. Man merkte, dass wir besser anklimatisiert waren, denn wir waren doch relativ zügig unterwegs. Und nun kam die grosse Frage, vor uns ein ziemlich grosser, sehr steiler Gletscherbruch über ca. 250hm. Yeah, das sieht nach cooler Eiskletterei aus schiesst es mir durch den Kopf. Und so war es auch. Wir kletterten einfach der Nase nach, immer Ausschau haltend nach kletterbaren Abbrüchen und Aufschwüngen. Doch  es stellten sich uns auch einige Hindernisse in den Weg. Fast am Ende des ganzen Gletscheraufschwunges überkletterte Damian gerade eine erste Spalte, folgte einer steilen Eiswand 15m hinauf und stiess dann auf eine riesige, klaffende Spalte. Nun gegen links sahen wir kein Ende, rechts 30m weiter unten gab es eine kleine Brücke, die man mit einem grossen Schritt erreichen könnte. Damian kletterte der Spalte nach hinunter und machte Stand. Ich folgte und startete sogleich in die nächste Länge. Ich überquerte die Spalte und kletterte anschliessend den steilen 15m hohen Spaltenrand hinauf. Das Eis war etwas brüchig, jedoch tiptop kletterbar. Wunderbar, ich genoss es, ein wenig zu klettern. Dann waren wir auf einem kleinen Gletscherplateau. Dieses querten wir in 3 Seillängen. Auch dort galt es wieder eine grössere Spalte zu überklettern. Sie stellte jedoch kein Problem dar. Von dort kletterte ich noch 30m eine steile Firnflanke hinauf und erreichte somit den grossen Bergschrund unseres Abschlusscouloirs. Es sah sehr schön aus, genau so wie ich es mir vorgestellt habe. 


Damian startete dann in die erste Länge. Er überkletterte den ziemlich heiklen Bergschrund sehr elegant (auf jeden Fall eleganter als ich...). Die Brücke war nur aus komischem "glasigen" Röhreneis. Auf jeden Fall verzichtete ich auf die Pickel und hielt mich mit den Händen, damit der Porzellanladen nicht durch die Schläge einbrach. Die weiteren Meter bis zu Damians Stand nach vollen 60m waren dann wieder wunderbare Eiskletterei in 60° steilem Gelände. Damian konnte einen super Stand auf einem Felspodest einrichten. Die nächste und letzte Länge ging wieder auf mich. Ich freute mich wie ein kleines Kind dass ich hier klettern durfte. Die Länge sah nochmals spannend und cool aus. Und das war sie auch. Zuerst ging es in 60° Gelände weiter, bevor es auf den letzten 15m nochmals interessant wurde. Weicher Schnee auf Eis, am Schluss ein eisiger, ziemlich steiler Kamin der links jedoch weicher "Pfludischnee" hatte. So konnte ich mit guter Spreizkletterei ein Podest erreichen. Mental forderte es mich dennoch ein wenig, denn die Pickel fanden auf dem Podest und über dem Eis kaum Halt, weshalb ich mich auf meine Füsse konzentrieren musste. Ich klettere über die steile Wächte und mache an der Rückseite mit Eisschrauben einen Stand und sichere Damian nach.


Das Wetter hat sich mittlerweilen doch deutlich verschlechtert. Dichte, dunkle Wolken sind aufgezogen. Wie wir wussten, konnte es nun regnen und schneien, oder es konnte trocken bleiben. Man wusste es nie, das machte es noch spannend. Mit der Einstellung schon bald den Gipfel zu erreichen erkletterten wir den brüchigen Felsgrat. Doch weit gefehlt, als wir oben sind, sehen wir dass sich der Grat noch weiter zieht. Also ging es auch für uns weiter. Das Gelände war ultra brüchig und immer ausgesetzt. Jedoch nicht all zu schwer. Doch wir mussten uns konzentrieren, gefühlt bei jedem zweiten ging ein Felsbrocken hinunter. Doch irgendwann um ca. 13:30 Uhr standen wir auf dem 5548m hohen Gipfel des Tsacra Chico. Yeah, das war jetzt ein super cooler Abschluss unserer Expedition!


Doch es war noch lange nicht fertig. Wir diskutierten lange wo wir absteigen sollen. Es gab zwei Varianten: Entweder traversierten wir hinüber auf den Nordgipfel und stiegen die uns bereits bekannte Route nordseitig ab, oder wir seilten und stiegen über die aufgestiegene Route ab. Die Traversierung zum Nordgipfel sah einerseits jedoch wieder recht brüchig und zeitaufwändig auf, andererseits mussten wir dann am Ende des Nordgrates irgendwie wieder über den uns unbekannten Westgletscher zurück zu unserem Zelt kommen. Deshalb entschieden wir uns für Variante zwei. In gerade 2x50m abseilen an ziemlich wässrigen Eissanduhren erreichten wir wieder das Gletscherplateau. Mittlerweilen hatte sich der Himmel an der genau richtigen Stelle geöffnet: Die Sonne brannte kurz unerträglich, es wurde heiss, sehr heiss. Und wir waren doch schon ziemlich müde. Über den Gletscher stiegen wir ab und gelangten so an den Abbruch. Hier begannen wir wieder mit dem ewigen abseilen. Damian ging jeweils gesichert an einer Backup Eisschraube hinunter. Ich folgte dann an der Eissanduhr. Diese waren meistens ziemlich mies, war es doch eher warm und das Eis demzufolge "wässrig". Irgendwie war ich immer ein wenig gefasst, dass es mit mir plötzlich abwärts ging.


Und dann hatte ich einen kleinen Schreckmoment. Damian war bereits unten in einem flacheren Teil, ich noch oben unterhalb der riesigen Spalte. Und plötzlich hörte ich ein lautes Surren. Ich sah hinauf, erblickte wie einige Steine in einem irrsinnigen Tempo durch die Luft flogen. Sofort drückte ich mich so gut es geht an die 50° steile Spaltenlippe. Ich rief Damian schreiend zu: "Achtung, Stei!". Es folgten nochmals einige Brocken. Doch alle schlugen 3m von mir entfernt ein. Phu, ich war gerade ziemlich nervös. Ich baute sehr schnell den Stand ab und versuchte so schnell wie möglich abzuklettern. Aber eine weitere Spalte stellte sich mir in den Weg, ich versuchte über eine Brücke zu klettern, doch sie war zu schwach. Also kletterte ich wieder etwas schräg hinauf und konnte sie oben auch besser queren. Immer mit der Angst im Nacken, es könnten wieder steinige Geschosse auf mich fliegen. Bei Damian angekommen war ich nun doch etwas froh. Die nächsten 100m stiegen wir wieder ab, manchmal auch kletternd. Und dann seilten wir nochmals 2x50m ab. Am letzten Stand war ich gerade dabei, die Eissanduhr einzurichten, als wir wieder einen komischen "Donner" oder so etwas ähnliches hörten. Mir war das Geräusch natürlich bekannt, Damian offensichtlich auch, denn er schaute mich an und sagte: "Nei, hoffentlich its nid no bi üs.". Ich wartete war ruhig, doch die Eislawine ging an einem anderen Ort ab. Wir sahen nichts, konnten nur hören. Zügig gings das letzte Mal am Seil hinunter. Unten auf  dem Gletscher packten wir zügig beide Seile ein und "rasten" über den Gletscher hinunter auf die Moräne, wo wir uns von all unserem Plunder entledigten. Mittlerweilen war der Himmel wieder sehr verhangen. Es wurde kalt und meine Nassen Finger wurden etwas steif. Nicht mehr ganz so zügig machten wir uns auf den Rückweg zum Zelt, welches wir ziemlich erschöpft und Müde um 18:30 Uhr erreichten. Just hier begann es auch zu regnen, perfektes Timing! Die Spaghetti mit Tomatensauce kochten wir wieder direkt vom Zelt aus. Was für eine Wohltat! Und dann verfielen wir auch schon in einen tiefen und erholsamen Schlaf...


Am nächsten Tag erwachten wir in einer leicht verschneiten, wunderschönen Landschaft. Als die Sonne kam war auch bald der Schnee weg und wir konnten unsere sieben Sachen packen. Der Rückweg hinauf auf den Pass gestaltete sich ziemlich anstrengend. Wir waren im gefühlten Schneckentempo unterwegs. Sobald es abwärts ging, war auch unser Tempo wieder besser. Und so erreichten wir gegen Mitttag ziemlich ausgelaut unser "Zuhause". Denn so nannten wir es einerseits wirklich, andererseits fühlte es sich auch so an. Ein perfekter Abschluss einer super Expedition.

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Huayhuash - Huaraz und Rückreise (16.-25.09.15)

Der Mittwoch war ein lustiger Tag, der Tag begann mit nicht auffindbaren Müsli. Als dann auch noch Damians Sackmesser und sein gelber Rucksack nicht auffindbar waren, wurde es uns klar. Als wir unterwegs waren, wurden wir bestohlen. Nun ja Jungs, flott habt ihr nicht noch mein schönes Zelt und weitern Inhalt mitgenommen. Aber mit dem muss man rechnen wenn man in Südamerika unterwegs ist. Wir nahmen es mit Humor, gehört ja irgendwie dazu... immerhin wurde uns in den Gassen und überfüllten Strassen nie etwas gestohlen, da bin ich glücklich darüber. Denn mit all dem Gepäck ist es gar nicht so einfach, sich "sicher" fortzubewegen. Durch den Tag begannen wir mit packen. Am Abend am Lagerfeuer (Kerze sei Dank) suchen wir in grösster Verzweiflung unsere noch volle Büche Kimbo-Kaffee (ein einheimisches, ziemlich gutes Gebräu). Doch er ist nicht auffindbar. Hihi, einen weiteren Diebstahlverlust entdeckt. Hoffentlich kommt nicht noch mehr zum Vorschein. Unseren Kaffee-Gelust konnten wir noch mit Incasur Schokkokaffee stillen. 

 

Am Donnerstag war es soweit: Wir mussten von unserem "Zuhause" Abschied nehmen. Nach dem wir alles in unseren Rucksäcken verpackt und den Platz etwas aufgeräumt hatten, marschierten wir gegen den Mittag los. Es war ziemlich heiss, die Rucksäcke natürlich wieder einmal äusserst schwer. Um 15:00 Uhr erreichten wir die Laguna Jauacocha. Doch wir waren noch lange nicht am Ziel, denn dieses Lag am anderen Ende des Sees. Auf Grund eines Bauern in der Nähe entschlossen wir uns, versetzt hin und her zu marschieren (so war das ganze Gepäck in unserem Blickfeld). Auf Grund des vielen Gepäcks mussten wir je zweimal laufen, um alles transportieren zu können. In der Mitte dann ein kleiner "geistiger" Schock für mich. Bereits die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, es riecht nach dieser komischen "El Olivar" Sauce (Einheimische Marke). Doch ich dachte mir nichts dabei... Irgendwann kam ich auf die schlaue Idee, meine Tragtasche doch kurz zu durchsuchen, denn ich wusste, dass das Glas in meiner Mammut Cargon Tasche war. Und es kam wie es kommen musste. Ausgerechnet die ver****** El Olivar Sauce... die einzige, die wir beide überhaupt nicht magen. Und zu allem Übel: Am meisten darunter litt mein Schlafsack. Oh je, wie halte ich die Nacht in diesem Gestank nur aus? Ich ärgerte mich sehr! Es war mein Fehler, denn alle anderen Saucen hatte ich redundant in einem Plastiksack. Nur diese nicht. Egal, es ist nun mal so und es ist irreparabel.


Während ich die ganze Sauerei am See putze, macht sich Damian bereits auf den Weg ins Inkacamp. Dies ist ein einheimischer "Campingplatz", wo vor allem die Huayhuash - Trekker ihre Zelte aufschlagen. Ein Auge auf die Sache haben ein älterer Mann und zwei ältere Frauen. Doch es war sehr interessant, mit ihnen ein wenig zu reden (wenn man dies so sagen darf, bei meinen doch sehr niedrigen Spanisch Kenntnisse). Doch lustig war es auch ohne viel Gerede, als ich mit einem riesen Rucksack im Camp einmarschierte, sind sie in lautem Gelächter ausgebrochen. "Burro, un Burro...haha". Dass sie mich als Esel bezeichneten fasste ich als positiv auf, es ist alles eine Frage der Einstellung. Doch es war schon spät, wir kochten noch Teigwaren und verkrochen uns dann ins Zelt, natürlich mit allen Materialen im Zeltinnern. Nun ja, der Gestank... aber egal, irgendwann gewöhnte ich mich daran.


Um 6 Uhr morgens herrschte bereits reges Treiben im Camp. Die Trekker machten sich alle auf den Weg und wir standen plötzlich ganz alleine da. Wir genossen den Tag, das Cola dass sie uns verkauften, und wohl das letzte Mal die Ruhe der Cordillera Huayhuash, bevor es zurück ins Gewimmel von Peru gehen wird. Eigentlich hatten wir mit unserem Eseltreiber für Samstag Morgen in der Früh abgemacht, doch er kam bereits um 13 Uhr am Freitag. Umso besser für uns! Nach kurzem beidseitigem Einverständnis sattelten wir die 4 Esel und verliessen bald darauf das Camp, die traumhafte Lagune und die einmalige Bergwelt, die mir doch sehr ans Herz gewachsen ist! Wie wir wussten, war der "Pace" der Esel ziemlich hoch und so kam es, dass wir auf 4000m gleich unser Lauftraining absolvieren konnten. 3 Stunden später standen wir bereits im Dorf Llamac. Von hier aus wird morgen Vormittag so gegen 11 Uhr wie man uns sagte, der Bus (Nazario) nach Huaraz zurück fahren. Unser Glück war, dass der Eseltreiber ein junges "Eseli" dabei hatte, dass noch nicht so schnell gehen konnte. Für uns war es doch mehr als schnell genug! Wir konnten gleich im Hinterhof von unserem Eseltreiber im Garten neben Hühner und Hunden schlafen. Ein super Abschluss von einer coolen und erlebnisreichen Expedition in Peru!

Die Busfahrt zurück war sehr eindrücklich. Die Landschaft ist wunderbar. Unser Fahrer war top seriös (oder so ähnlich) und so erreichten wir nach 2h Fahrt Chiquian. Hier gab es eine Stunde Mittagspause. Wir steuerten sofort ein Restaurant an und liessen unseren Gelüsten freien Lauf. Zu unserem Verhängnis wie sich später herausstellte. Um 14 Uhr ging die nun deutlich angenehmere Fahrt über die langen Weiden und Hochplateaus weiter zurück nach Huaraz. Um ca. 17 Uhr trafen wir ein und konnten sogleich mit einem Taxi direkt zurück in unser Hotel "Akilpo" fahren. Glücklich bezogen wir unser Zimmer, wir hatten alles unbeschadet überstanden und sind zurück in der Zivilisation. 


Auf Grund unserer "Ess-Exzessen" lagen wir am Sonntag und Montag beide mit üblen Magen-Problemen und Müduigkeit im Bett. Nun ja, wir wussten, dass wir auch schon bessere Ideen hatten, als gewisse Sachen zu verspeisen... doch die Konsequenzen müssen wir jetzt halt auch aushalten. Am Dienstag ging es wieder besser und wir zogen durch die Strassen, kauften Souvenirs und genossen einen feinen Cappuccino im weltbekannten "Café Andino". Mittwochs packten wir durch den Tag alles für die Rückfahrt und Heimreise. Nach der besten Pizza in "Luigi's Pizza" rannten wir durch den Regen zurück ins Hotel. Und oh je: Ich hatte Schüttelfrost... und ich wusste genau, dass darauf Fieber kam. Und dies 2h vor der Abfahrt mit Cruz del Sur! Juhu! Und so war es auch.


Doch ein Dafalgan senkte mein Fieber etwas und ich überstand die 8h Fahrt nach Lima ohne grössere Probleme, auch die Crew erst nach 5h merkte, dass die Klimaanlage nicht lief und die Temperatur im Innern die 30er Marke überstieg. Ich hatte ja sowieso schon vom Fieber heiss, egal... Damian sass in Unterhosen in seinem Sitz, ein älterer Herr hatte Mütze und Decke über sich gezogen, so unterschiedlich kann das Empfinden sein :-) 


In Lima fuhren wir mit einem Taxi in 30 Minuten quer durch die ganze Stadt direkt an den Flughafen "Jorge Chavez". Die Stadt ist wirklich nicht schon. Smog von A bis Z, viele Autos und viele Leute. Mit Fieber muss ich hier wirklich nichts anschauen. Um 07 Uhr waren wir am Flughafen, wir hatten also volle 12.5h zur Verfügung bis unser Flug startete. Mätteli, eine ruhige Ecke und wenig Leute schafften der Langeweile abhilfe. Ich konnte tiptop bis um 14 Uhr schlafen. Auch das Fieber war wieder etwas besser. Nach dem wir am Check In Schalter noch etwas Gepäck umtischen mussten gings dann auch sofort um 17:00 Uhr hinauf in den McDonald und anschliessend durch die Kontrolle und den Immigrationsposten. Nun habe ich einen schönen Peru - Stempel in meinem Pass, juhu!


Pünktlich um 19:30 Uhr startete unser Flugzeug in Richtung Madrid. Eine lang ersehnte Reise nimmt ihr Ende. Ich fliege mit einem guten Gefühl nach Hause, war es doch eine sehr spannende, lehrreiche und vor allem einfach eine schöne Zeit im Land der Inkas und verborgenen Schätze.


Merci Damian für die tolle Zeit in Peru!


Marcel Jaun, 22. Oktober 2015, Uttigen

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